Die produzierende Industrie wird Teil der Kreativwirtschaft.

 In Erfahrungsberichte

Schlaue Ingenieure, monströse Maschinen und voll beladene Europaletten werden wieder vermehrt von Kreativen beansprucht. Welchen Kreativen? Grob genommen von denen die sich im Marketing & dem Digitalen tummeln, bis hin zur romantischen Künstlerin die aus den Europaletten stylische Möbel bauen könnte. Die Kreativwirtschaft entdeckt das Produzieren wieder und bringt damit nicht nur neuen Charm in unsere Industrie, sondern zeitgleich auch neue erfolgreiche Methoden rund um Innovation, die Kleinserienproduktion und natürlich das Vermarkten von solchen Innovationen. 

Aber watt genau ist passiert? Warum kann man 2016 davon sprechen das sich diese beiden mächtigen Industrien aufeinander zu bewegen? Anbei ist unsere Sicht auf einige der wichtigsten Entwicklungen.

Digitale Innovationen revolutionieren den Handel und Versand von Waren.

eBay legte zwar den Grundstein, aber es bedurfte weiterer Startups und Dienstleistungen wie Etsy, Shopify und dem Amazon Fulfillment Service um folgendes zu perfektionieren: Heutzutage ist jede die ein bisschen “Street Smarts” besitzt im Stande einen qualitativen Online-Shop zu betreiben und damit die westliche Welt von der eigenen Garage aus zu beliefern.

Der Boom rund um Software Startups provozierte eine Renaissance von Hardware Startups.

Warum war es gerade in der so unternehmerischen Startup Szene so lange so ruhig um Hardware Startups? Weil Investoren große Angst vor den Investitionen beim Thema Produzieren hatten, galten Hardware Startups erstaunlich lange als No-Go. Was erstaunt, sind doch globale Player wie HP und Apple auch im Silicon Valley entstanden.

Mit der immer noch steigenden Kaufkraft über das Internet werden Nischen immer lukrativer.

Und damit eben auch die Nischen für Tüftler, Baster und Erfinder. Der daraus resultierende Maker Movement wird zum Brutplatz von Neuheiten wie Electro Couture, einer Vielzahl von bahnbrechenden Do-It-Yourself Elektronikprodukten und von einer neuen Generation von Produktionsmaschinen für den Privatgebrauch.

Neue Maschinen unterstützen den Siegeszug von Community-Laboren.

Die erfolgreiche Tüftelei an unzähligen Variationen von FDM (3D) Druckern, Lasercuttern und weiteren Maschinen ermöglicht das sich kostengünstige “Labore” formieren können. In diesen Community-Laboren bekommen Kreative erschwinglichen Zugriff auf Maschinen, aber vor allem Zugriff auf Dekaden von Know How durch die anderen Mitglieder. Eines der stärksten Community-Labore in Deutschland wurde 2015 vom FabLab Berlin mit Unterstützung vom Prothesenhersteller Ottobock in Berlin errichtet. In diesen Community-Laboren werden viele der bekanntesten Hardware Startup Produkte der letzten Jahre entwickelt.

Mit all dem neuen Potential bietet sich eine neue Finanzierungsmöglichkeit erfolgreich an.

Crowdfunding ermöglicht es die Serienproduktion von den Errungenschaften aus den Community-Laboren zu finanzieren. Eine Crowdfunding Kampagne um Summen von €200.000 bis zu mehreren €Millionen einzusammeln, ist oftmals schneller als der traditionelle Weg über Banken und Investoren. Zudem kann man mit einer Crowdfunding Kampagne zeitgleich den Markt für das neue Produkt testen.

Kreative werden zum Kunden und potentiellen Partner für die heimische Industrie.

Auf die Herausforderungen von diesen speziellen Kunden sind wir in einem frühreren Beitrag bereits eingegangen. Wichtig für uns Produzenten ist das Maker, Erfinder und Kreative es vorziehen – vor allem zum Beginn eines neuen Produktes – lokal zu produzieren. Ist diese innovative und kaufstarke Szene unsere Chance um zu einem Produktions-Hub für sog. Startserien zu werden? (mehr zum Thema Startserie berichten wir bald.)

Welche Wirkung wird die Kreativwirtschaft auf die zu produzierende Industrie haben?

Hier entwickelt sich unserer Meinung nach eine große Chance um unsere Werkshallen, den Umgang mit den Maschinen und die allgemein notwendige Präzision, als Brutstätte für Kreativität zu positionieren. Damit einhergehend gibts wieder mehr Motivation für die bestehende Belegschaft und neue Anknüpfungspunkte um mit frischen Talenten gemeinsam an der Zukunft der Produktion zu “tüddeln”.

Watt meinen Sie? Haben Sie ähnliche Entwicklungen beobachtet? Oder schimpfen Sie diese Kreativen immer noch Erfinder die das ganze Risiko auf uns Produzenten abwälzen wollen? Diese kennen wir natürlich auch noch ;-).

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